Ernährung "frei von" - sinnvoll oder ein neuer Trend?

In dieser Podcastfolge erkläre ich dir, warum es oft gar nicht so klug ist, bewusst auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten, wenn es gar keinen Grund dazu gibt. Gerade jetzt scheint es im Trend zu liegen, auf Laktose oder Gluten zu verzichten. Aber warum? Hast du wirklich eine Unverträglichkeit oder verzichtest du darauf aus reinster Vorsicht. Hier bekommst du Tipps, wie du bewusst mit bestimmten Lebensmitteln umgehen kannst, ohne jeden Trend mitzumachen. Hier, auf iTunes oder Spotify! Viel Spaß beim Anhören.

Fettfreie Ernährung – jetzt auch Gummibärchen ohne Fett

Was ist das jetzt schon wieder für ein Trend? Angefangen hat es mit Gummibärchen. Als ich damals noch Diät machte, stand auf einmal auf den Gummibärchentüten ganz groß die Kennzeichnung geschrieben: OHNE FETT. Wirklich ein guter Witz. Denn wer sich ein bisschen auskennt, der weiß, dass Gummibärchen nie Fett enthalten, dafür aber fast nur aus Zucker bestehen. Hier hat das Marketing wieder hervorragend funktioniert. Menschen, die sich nicht so gut auskannten, freuten sich natürlich über diesen Hinweis und fühlten sich in ihrer Kaufentscheidung für eine „fettfreie Ernährung“ bestätigt.

Gluten und Laktose im Blickfeld

Glutenfreie Ernährung

Heute, einige Jahre später scheint der Trend weiterzugehen. Inhaltsstoffe, wie Gluten und Laktose rücken ins Blickfeld der „FREI VON“ - Ernährung. Auch hier gibt es viele Produkte, die mit „frei von“ gekennzeichnet sind. Aber ist das tatsächlich gesünder? Was in meinen Augen dazu jeder wissen sollte:

1. Manche Produkte sind von Haus aus gluten- bzw. laktosefrei. Hier wird lediglich dieselbe Marketingstrategie eingesetzt, um die Kunden zum Kauf zu animieren. Ähnlich, wie bei den Gummibärchen.

2. Die Verbraucher glauben, dass sie ihrer Gesundheit etwas Gutes tun, dabei dient es meistens tatsächlich ausschließlich Werbezwecken.

Manche Menschen leiden an einer sogenannten Intoleranz oder Unverträglichkeit. Die Zahl derer, die sich diese Unverträglichkeit „einreden“ oder nur glauben, dass sie an einer leiden, ist wesentlich höher. Dennoch verzichten viele ganz bewusst auf bestimmte Lebensmittel und nur die wenigsten Menschen haben wirklich eine vom Arzt diagnostizierte Intoleranz oder Unverträglichkeit. Warum also ernähren sich Menschen trotzdem gluten- oder laktosefrei? 

Im Vordergrund stehen positive, gesundheitsfördernde Aspekte und/ oder Gewichtsabnahme.

Glutenfreie Ernährung

Fragwürdig, oder? Wenn es Probleme mit bestimmten Lebensmitteln gibt, ist es natürlich gut diese zu meiden. Aber ich finde noch wichtiger, sich mit dem Problem an sich zu beschäftigen und erstmal genauer hinzugucken, was genau nicht vertragen wird. Bei einzelnen Lebensmitteln ist es ganz normal, dass wir sie mal besser, mal schlechter vertragen. Das äußert sich dann darin, dass sie uns meistens nicht schmecken. Völlig in Ordnung. Bei einer ganzen „Lebensmittelkategorie“ lohnt es sich aber, etwas genauer hinzuschauen und ggf. nachzuforschen. Viele vermeintliche Unverträglichkeiten entwickeln sich erst mit der Zeit und haben ihren Ursprung sehr häufig im Darm. Ein Ungleichgewicht der Bakterien reicht schon aus, um verschiedene Beschwerden auszulösen.

Wichtig ist, leichte Beschwerden nicht mit einer echten Unverträglichkeit, wie es im schwersten Fall z.B. Zöliakie ist, zu verwechseln.

BIRGIT ENGERT

Bis vor einigen Jahren ging man davon aus, dass im Durchschnitt etwa einer von bis zu 2000 Menschen in Deutschland von dieser schweren Form der Unverträglichkeit Zöliakie betroffen ist. Heute geht man von einer Häufigkeit von 1:100 aus. Allerdings liegt das volle Krankheitsbild nur bei 10 bis 20 % der Betroffenen vor.

Zöliakie ist eine wirklich ernste Krankheit.

Viele Betroffene werden durch den aktuellen Hype der „FREI VON“ - Ernährung gar nicht mehr ernst genommen. Jeder, der sich seine Unverträglichkeit mehr „einredet“ als sie möglicherweise vorhanden ist oder einfach mal vorsichtshalber auf Gluten bzw. Laktose verzichtet, macht es somit den an Zöliakie erkrankten Personen schwerer, da sie eventuell weniger ernst genommen werden.

Mein Tipp also: Back to the roots! Doch vor allem empfehle ich: Zurück zur Vernunft.

„FREI VON“ - Produkte sind nicht nur teurer, sie kosten oft doppelt so viel, als die herkömmlichen Produkte, sie stehen auch nicht unbedingt für eine gesündere Ernährung.

Was passiert, wenn ich Gluten bewusst vermeide?

Das Fehlen von Gluten führt zu einer Veränderung des Energiegehalts und der Nährstoffzusammensetzung der Produkte. So haben manche glutenfreie Produkte einen vergleichsweise hohen Fettgehalt, enthalten aber weniger Ballaststoffe, B-Vitamine, Magnesium, Zink und Eisen als herkömmliche Vergleichsprodukte.

Zudem kommt hinzu, dass viele alternativ-produzierte, jedoch nicht von Haus aus glutenfreie Produkte, industriell hergestellt wurden und darin dann möglicherweise viele Konservierungsstoffe, Aromen oder andere Zusatzstoffe enthalten sind.

Ich rate daher dazu, die Finger von diesen Lebensmitteln und Produkten zu lassen, weil sie oftmals nur auf den ersten Blick eine gesündere Alternative darstellen.

Hier noch ein paar Tipps von mir, wie du einer leichten Intoleranz oder Unverträglichkeit entgegenwirken kannst.

  1. Kaufe frische Lebensmittel, vor allem eignen sich saisonale Produkten aus der Region am besten.

  2. Koche frisch und wenn die Zeit mal knapper ist, schaffst du es vielleicht so zu planen, das du vorkochst.

  3. Genieße dein Essen bewusst langsam und kaue gut. Essen ist kein Wettbewerb, bei dem es darum geht, wer am schnellsten den Teller leer hat. Denn manchmal liegt es wirklich nur an der Geschwindigkeit, die darüber entscheidet, ob dir ein Essen bekommt oder nicht. Alles was im Mund an Vorarbeit geleistet wird, erleichtert dann Magen und Darm die Arbeit, sodass die Verdauung auch besser funktioniert..

  4. Achte bei Brot und anderen glutenhaltigen Lebensmitteln unbedingt auf die Qualität. Denn Getreide braucht Zeit. Zeit, die der Discount-Bäcker z.B. nicht hat, weil dieser auf Masse produziert. Was der Discount-Bäcker aufbäckt, kann daher gar nicht gut sein, weil hier der Reifeprozess der jeweiligen Getreidesorte nicht entsprechend beachtet wird, wodurch es tatsächlich vermehrt zu Unverträglichkeiten kommen kann.

  5. Treten Beschwerden auf, dann reicht oftmals ein temporärer Verzicht der beschwerdeverursachenden Produkte. Schon nach ein paar Wochen sollte sich das Leiden gebessert haben, sodass ein völliger Verzicht nicht nötig ist. Falls es nicht besser wird, empfehle ich unbedingt einen Arzt, Heilpraktiker oder Darmspezialisten aufzusuchen. Denn auch länger andauernde Unverträglichkeiten können die Folge falscher Ernährung sein und lassen sich gut mit einer Darmaufbaukur in den Griff bekommen.

  6. Solange keine wirkliche Diagnose vorliegt, rate ich davon ab, komplett auf Gluten zu verzichten oder auf Ersatzprodukte umzusteigen. Gegen den Einsatz von natürlich glutenfreien Produkten spricht nichts. Aber ein kompletter Verzicht kann auch dazu fuhren, dass sich eine Unverträglichkeit erst entwickelt. Bei Laktose ist es ähnlich. Inzwischen liegt es schon fast im Trend, laktosefreie Milch zu konsumieren. Das hat ganz unterschiedliche Gründe, vor allem schmeckt laktosefreie Milch aber süßer. Wenn du Kuhmilch jedoch eigentlich gut verträgst, macht es wenig Sinn auf diese bewusst zu verzichten, da durch den dauerhaften Verzicht der Körper Laktose schlechter abbauen kann und so eventuell erst Probleme entstehen, wo zuvor gar keine waren.

Ein bewusster Verzicht auf bestimmte Produkte und Lebensmittel macht nur Sinn, wenn ernsthafte Gründe vorliegen. Ansonsten ist es ein Trend, aber nicht jeder Trend muss mitgemacht werden, weil: Hör auf deinen Körper, denn dein Körper weiß Bescheid.